Aufstieg der 1. Herren: ein Drama in zwei Akten mit Vorspiel und Finale Grandioso
Aufstieg der 1. Herren: ein Drama in zwei Akten mit Vorspiel und Finale Grandioso

Vorspiel: Am 22. Juli, am vergangenen Sonntagabend, brachen alle Dämme beim Blick auf die Ergebnisse des letzten Spieltags der Gruppe 13 der 1. Kreisliga. Bis zu diesem Moment durchlebte das Team um Mannschaftsführer Jonas Schäfer eine Achterbahn der Gefühlslagen, die so bisher noch niemand erlebt hat.

Erster Akt: Die Fahrt beginnt am Samstag, den 21.Juli, um 9:30 mit dem direkten Leistungsvergleich mit dem Tabellenzweiten aus Elchelsheim/Illingen. Für Vincent Walterscheidt (6) im Freefalltower ging es zunächst stetig aufwärts, der Wendepunkt war dann allerdings kurz vor Ende des ersten Satzes erreicht und die Erdanziehung schlug erbarmungslos zu (5:7, 1:6). Elftes Gebot “Du sollst keinen anderen Sport neben Deinem Sport treiben!”: Hätte sich mal Jonas Schäfer (5) dieser Worte rechtzeitig erinnert, sein Handgelenk hätte es ihm gedankt. So konnte unser Mannschaftsführer seinen Autoscooter nur mit gebremsten Schaum betreiben, kam damit auch zunächst über die Runden, um dann im Matchtiebreak mit einem gezielten Stoß des Gegners an der Bande liegen zu bleiben (6:3, 4:6, 5:10). Auch Torsten Schach (4) war an diesem entscheidenden Tag etwas lädiert und versuchte, geschmiert, getaped und verbunden den Weg durch das Spiegellabyrinth zu finden. Mit mutigen Schritten ging es zunächst gut voran, jedoch der der über alle Maßen motivierte Gegenspieler wusste den Schlüssel des Systems zum Ende besser zu lesen und fand den Ausgang als Erster (4:6, 1:6). Über Norbert Jung (3) wurde schon viel gesagt, das kann man aber immer wieder gerne aufs Neue niederkritzeln. Im direkten Shoot Out am Luftgewehrstand kann kommen wer will, er wird das Büdchen allerhöchstens mit einer nicht allzu tröstenden Plastikrose verlassen. So auch in diesem direkten Vergleich der Generationen (6:4, 6:1). Lino Klüpfel (2) haute den Lukas (Nein, sein Gegner hieß nicht Lukas), bis die Glocke aus der Halterung fliegt. Zunächst hatte sein hämmerndes Gegenüber durchaus die Möglichkeit, den Schlitten kraftvoll in die Höhe zu meißeln, als jedoch die erste Runde an Lino ging, wurde das Ping an der Glocke immer leiser, um am Ende völlig zu verstummen (6:4, 6:1). Mit Michael Schwab ging es in die Geisterbahn. Hier ließ sich unsere Nummer Eins anfänglich nicht von Monstern, Geistern und Skeletten beeindrucken und absolvierte die erste Teilstrecke gewohnt souverän. Dann jedoch bediente sich die Schreck-und-Schrecken AG perfideren Mitteln, um unserem unerschrockenen Streiter das Leben schwer zu machen und den Schneid abzukaufen. Es kam was kommen musste. Der zweite Teil der Strecke endete nicht im Licht, sondern musste im dämmrigen Schein der Verdammnis im Match-Tiebreak bewältigt werden. Also noch einmal allen Mut zusammen genommen: Die Spinnweben zur Seite geschoben, dem Fallbeil ausgewichen und Oma Lisbeth den Sargdeckel wieder vor der Nase zugeschlagen, erschien dann schlussendlich doch noch das hart verdiente Licht am Ende des Tunnels (6:4, 3:6, 10:4).

Ein ungemütliches 3:3 nach den Einzeln hielt den Spannungsbogen für die anschließenden Doppelbegegnungen oben. Jonas und Vincent hatten Möglichkeiten auf satte Gewinne am Losstand. Leider reichte es nicht für den Hauptgewinn, und der übergroße Plüschteddy ging nach Elchesheim (3:6, 6:7). Am Bratwurststand war die Gewichtsverteilung eindeutiger. Lino und Norbert stopften sich voll mit Punkten rotweiß, und ließen ihren Mitessern nur die Krumen dieses Gelages übrig (6:2, 6:3). Spannend wurde es auf Platz Eins, wo sich Michael und Torsten am Greifautomaten versuchten. Taktik, Gespür und filigranes Handeln war gefragt, alles im Gepäck unserer Helden vorhanden. Sie waren nah dran, aber immer wieder vermochten sich die plüschigen Kontrahenten den Zangen zu entwinden, bis man am Ende ohne Münzen und ohne Matchpunkte bedröppelt vom Centercourt schlich. Mit dieser 4:5 Niederlage entschwand die Möglichkeit zum Aufstieg zischend wie die Luft aus einem Ballon und was blieb, war nur die leere Hülle, die sich trist und ohne Inhalt dem Boden anschmiegte. Stimmung auf Null, langes Luft holen, den Mund abgewischt und die Gäste begrillt und zum erwarteten Aufstieg gratuliert.

Zweiter Akt: Sonntag, den 22. Juli. Letzter Spieltag. Die Anfahrt war kurz. Muggensturm liegt nur unweit und empfängt seine Gäste auf einer schönen, übersichtlichen Anlage. Schwer noch wogen die Gedanken vom Vortag, jeder war noch am Verarbeiten der verpassten Chancen, nichtsdestotrotz galt es, sich mit einem würdigen Abgang zum Ende der Saison zu verabschieden. Achtung Baby! Robin Maier (6) on court. Unser Ü-Ei im Team sorgt für Spiel, Spaß, Spannung und Vergnügen an allen Fronten, und vielleicht springt am Ende noch etwas Süßes dabei raus. Unser “Sechser der Herzen” warf wieder Alles ins Match und noch mehr in den Match-Tiebreak. Leider knapp am ersten Erfolg vorbei geschrammt (7:5,3:6, 10:5). Vincent gab den 5er, eher gestärkt als noch beeinflusst vom gestrigen Tag, und spielte sich den letzten Frust beeindruckend von der Seele (6:1, 6:2). Auch Jonas (4) konnte sich auf dem Platz frei strampeln und erledigte seinen Job ohne Fehl und Tadel (6:0, 6:0). Torsten (3) hatte Murmeltiertag. Gestern einen harten Gegner und heuer eine nicht minder harte Nuss zu knacken. Das war zu viel fürs Gemüt, und so ließ der “Puffer der Nation” leicht grummelnd Punkt um Punkt gegen und über sich ergehen, um seinem Gegner anschließend zum Sieg und einer reichen Punkteernte zu gratulieren (1:6, 1:6). Lino (2) war noch etwas im Time Tunnel gefangen, wusste sich aber im Laufe seines Spiels daraus zu befreien und offerierte seinem Gegner nicht ansatzweise mögliche Angriffspunkte (6:1, 6:0). Auch Michael (1) ließ sich und seinem Spiel nichts anmerken, seinem Einser-Kollegen war dies sehr unrecht (6:0, 6:0). 4:2 + ein geschenktes Doppel = 5:2, doch trotz des früh feststehenden Sieges blieben noch zwei Doppel zu spielen.

“Gibst Du dem Hund einen Tritt, kehrt zurück das Glück.” Eine alte osteuropäische Weisheit, die sich Robin Maier aus den untersten Schubladen seines “Almanach des unnützen Wissens” aus welchen Gründen auch immer in den vordersten Hirnlappen drängte, sollte der Keychanger dieses bisher tristen Tages werden. Ok, Hundi war vor Ort, warum nicht mal die Theorie in die Praxis umsetzen. Versuch macht kluch, mal sehen obs wirkt. Das anschließende Doppel von Robin und Jonas Berg wurde, vielleicht ob dieser Tat, prompt mit einer 2:6, 3:6 Klatsche abgestraft. Randnotiz: Hund und Halter geht es nach sofortiger Aussprache und Entschuldigung bestens. Michael Taraba ließ es sich nicht anmerken und nehmen, das Team an diesem schwierigen Tag aktiv zu unterstützen. Vincent musste heim, Torsten hatte schon geduscht, Jonas schonte die Hand und Lino hatte kein Bock. Von wegen freie Auswahl, Michael musste nochmal ran. Die Zwei sind nicht zu bremsen. Einser Power, gepaart mit Erfahrung und unbändigen Willen, sich die Karten nicht aus der Hand nehmen zu lassen, plus einem Spruch zur rechten Zeit brachten den Sieg (6:3, 6:2) und bescherten den Endstand von 6:3 für unser Team.

Finale Grandioso: Nächster Tagespunkt, Mannschaftsessen. Bei Steak, Fritten und Salat kauend wich nun langsam die Spannung der letzten beiden Tage und man war schon fast am Ende der Rollercoaster-Tour angelangt. Fast! Denn kaum waren die Schüsselchen und Tellerchen brav geleert, brach es beim Checken der Tagesergebnisse brüllaffenartig aus Robin heraus: “Elchesheim hat verloren, und wir sind wieder Tabellenführer!” Was danach geschah, lässt sich an diesem Punkt nur schwer ohne viele nicht und notwendige Worte beschreiben. Pure, kindliche Freude, bis Pippi aus den Augen schoss, beschreibt es vielleicht am besten. Also nix wie weg vom Rummelplatz und ab zum TCE ein bisschen feiern. Über den Rest legen wir den theatralischen Mantels des Schweigens.

Bei aller eigenen Freude möchten wir uns bei allen Teams in der Runde bedanken. Ihr wart wirklich nette Gäste, Gastgeber und faire Konkurrenten auf dem Platz und daneben. Falls Ihr mal aufsteigt, macht es gleich richtig, nicht so wie wir. Das ist nicht gesund auf Dauer. Tja, und vielleicht lag es am Ende dann doch an Robins Eingebung: “Hundi, flieg weit und lebe hoch!”

geschrieben von: ts/jb, 24.07.2018 10:14  Uhr